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Jungen! Wie sie glücklich heranwachsen

Buchrezension

Rezension zum Buch „Jungen! Wie sie glücklich heranwachsen“ von Steve Biddulph

Dieses Buch war für mich ein Augenöffner – dies sowohl als Mann als auch als Vater von zwei Söhnen. «Jungen!» ist ein kurzes Buch, einfach geschrieben und praktisch orientiert, was mir sehr zugesagt hat. Biddulph schafft eine ausgewogene Mischung aus Verhaltenspsychologie, Entwicklungsforschung und Inspiration aus der Erziehung von indigenen Völkern und hat mir persönlich ein Bild gezeigt, wie ein gesundes Heranwachsen von Jungen aussehen könnte.

Die Lektüre unterstützte mich sehr in der Verarbeitung meiner eigenen Kindheit: Die Unterschiede zwischen dem Ideal und meiner Realität löste zuerst Traurigkeit und ein Bedauern aus, und so kamen unverarbeitete Verletzungen zu Tage, welche ich in den darauffolgenden Monaten nach der Lektüre dieses Buches integrieren durfte. Ich verstand nun, wie wichtig die Beziehung zu Männern für Jungen und Männer ist und dass diese Männergemeinschaft Räume braucht. Dass ich heute wieder eine Beziehung zu meinem Vater habe, hat nicht zuletzt mit dem Gedankengut dieses Buches zu tun. Biddulph machte mir auch klar, wie elementar bewusste Lebensabschnittswechsel und Initiationen im Leben eines Mannes sind und veranlasste mich, auf die Suche zu gehen und diese Prozesse nachzuholen.

«Jungen!» veränderte meine Sicht auf meine Söhne und mein Verhalten grundlegend. Ich begann bewusst Räume für uns Männer zu schaffen, mit unseren eigenen Regeln und Aktivitäten. Seither nehme ich meine Söhne gezielt mit, wenn wir etwas unter Männern unternehmen und lasse sie ihre Erfahrungen mit diesen Männern machen – und ich sehe, wie gut es ihnen tut. Der bisherige Höhepunkt war die Initiation meines älteren Sohnes vom Kind zum Jungen. «Jungen!» ist ein geniales Buch, für welches ich sehr dankbar bin und ich jedem Mann und auch jeder Frau empfehlen kann, vor alle wenn Söhne in ihrem Leben sind.

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No More Drama: Teil 1

Das Dramadreieck erkennen

„Ich habe alles versucht, und doch ist es nicht gut genug.“ Kennst du das? Egal was du tust, es scheint nicht zu reichen. So sehr du dich anstrengst, du landest immer wieder am gleichen Punkt. Es scheint, als würde uns ein geschickter Dämon immer wieder in die gleichen Situationen hineintricksen. Ja, sogar wenn dir deine Muster bewusst sind, verfällst du ihnen trotzdem immer wieder. Das passiert vor allem in der Beziehung zu anderen Menschen, oder? Und wir neigen dann dazu, den Fehler oder sogar die Schuld bei uns oder unserem Gegenüber zu suchen. Du kannst dir sicher sein, wenn solche Gefühle und Gedanken in dir sind, dann befindest du dich mitten im Dramadreieck.

Das Dramadreieck ist eine Sackgasse

Kennst du deine Muster, deine unbewusst wirkenden Glaubenssätze? Bist du der, der immer wieder verlassen wird? Wirst du in den entscheidenden Momenten im Stich gelassen? Wirst du immer wieder belogen und hintergangen, nicht wertgeschätzt, ausgenutzt oder sogar erniedrigt? Zweifelsohne lohnt es sich, hier genauer hinzuschauen. Denn jede Veränderung beginnt bei dir. Doch im Zusammenspiel von Menschen entwickeln sich Dynamiken, welche dir aus einer Ich-Perspektive verborgen bleiben. Diese Dynamiken können zu einer Sackgasse werden. Diese Sackgasse ist das Dramadreieck.

Was ist das Dramadreieck?

Beim Dramadreieck handelt es sich um ein psychologisches Modell aus der Transaktionsanalyse und es beschreibt ein Muster – eigentlich eine Geschichte – welche sich beinahe in jedem Märchen, jeder Erzählung und jedem Film wiederfindet. Dieses Muster ist somit so zentral, dass es unsere Gesellschaft und unsere Art zu verstehen und zu sehen fundamental prägt – und wir leben es in unseren eigenen Beziehungen. Es besagt, dass es in jeder Situation unter Menschen Rollen gibt, welche wir jeweils einnehmen.

Täter – Opfer – Retter

Im Dramadreieck gibt es immer drei Rollen: Den Täter, das Opfer und den Retter. Der Bösewicht, der die Jungfrau entführt und der Held, der sie rettet. Jocker – die Bevölkerung von Gotham City und Batman. Agent Smith, die Menschen in der Matrix und Neo. Die Liste an Beispielen liesse sich beliebig weiterführen. Nun, während das Dramadreieck in Geschichten offensichtlich ist, bleibt uns es uns in den eigenen Beziehungen oft verborgen. Wenn wir aber davon ausgehen, dass es in jeder Situation eine Täter-, eine Opfer- und eine Retterrolle gibt, entwickeln wir ein Gespür für diese Mechanismen. Wenn du diese Brille ab heute mitnimmst, wirst du die Rollen erkennen. Und du wirst merken, dass auch in einer Beziehung von zwei Personen alle drei Rollen mitspielen.

Das Dramadreieck erkennen

Welche Rolle nimmst du am liebsten ein? Neigst du zur Opferhaltung, gehst du in die Handlung als Täter oder rettest du andere? Und in welcher Beziehung hast du welche Rolle? Diese einfachen Fragen im Alltag mitzutragen fördert Erhellendes zu Tage. Wie oft habe ich schon erkannt, wie ich mich gerade in die Opferrolle begeben habe. Oder wie ich das Gefühl habe, ich müsse jemanden, sei es meine Partnerin, einen Mitarbeitenden oder die ganze Belegschaft retten. Und wie oft bin ich just im nächsten Moment selbst zum Täter geworden und habe mich mit Macht durchgesetzt.

No more Drama?

In den nächsten Tagen wirst du erkennen, zu welchen Rollen du in welcher Situation neigst. Und du wirst vielleicht auch erkennen, dass du die Rolle innerhalb von einem Bruchteil einer Sekunde wechseln kannst. Das Dramadreieck wird dir helfen, jene Dynamiken zu erkennen, welche immer wieder in diese gefühlten Sackgassen führen. Du wirst Ursachen dafür erkennen, weshalb du diesen Eindruck hast, dass es „wieder nicht gereicht hat“. Und du wirst dich fragen, was du dagegen tun kannst. Sollst du dich für eine Rolle entscheiden und bei dieser bleiben? Oder ist es vielleicht besser, die verschiedenen Rollen bewusst zu wechseln? Ich kann dir verraten, dass keine dieser Ansätze ein Weg aus der Sackgasse ist, aber dass es Möglichkeiten gibt. Diese erfährst du bald in Teil 2.

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Du brauchst eine Vision für 2022

Warum Vorsätze zum Scheitern verurteilt sind

Die Zeit der Besinnung und der Ruhe neigt sich dem Ende zu. Der Alltag beginnt langsam an Fahrt aufzunehmen. Konntest du die Zeit zwischen den Jahren nutzen, um in dich zu gehen, Altes abzuschliessen und dich auf das Jahr 2022 auszurichten? Steht deine Vision für dieses Jahr? Weisst du, wer du am Ende dieses Jahres sein willst? Vergiss deine Vorsätze, denn sie sind mit grosser Wahrscheinlichkeit zum scheitern verurteilt. Dein Gehirn versteht sie schlichtweg nicht. Aber sie können als Basis für deine Vision dienen.

Deine Vision ist essenziell für dein Glück

Eine klare Vision zu kreieren und ihr zu folgen, ist alles andere als eine nette Spielerei. Sondern sie ist essenziell für dich und dein Glück. Denn eine Vision schafft Klarheit und Orientierung: Getan wird fortan, was dieser Vision dient. Alles andere wird weggelassen. Eine Vision macht frei. Sie macht einen Menschen unabhängiger von der Anerkennung und der Meinung anderer. Eine Vision ist ein Weg zur Souveränität.

Vorsätze bringen nichts

Vielleicht hast du dir für das neue Jahr Vorsätze gefasst, welche du dieses Jahr erreichen möchtest. Aber wenn du ehrlich bist: wie viele deiner Vorsätze hast du in der Vergangenheit nachhaltig umgesetzt? Die schlechte Nachricht: Vorsätze sind meist von vornherein zum Scheitern verurteilt, denn dein Gehirn versteht diese nicht. Der grösste Teil deines Gehirns versteht nämlich keine Sprache, sondern nur Bilder. Und etwas nicht mehr oder weniger zu tun, ist kein klares Bild. Dein Gehirn versteht auch keine Verneinung. Vom Vorsatz «Ich rauche nicht mehr» versteht dein Gehirn nur «Ich rauche». Du brauchst ein Bild, eben eine Vision, welche das vergangene Bild des «rauchenden Ich» ersetzt.

Eine Vision ist ein Zustand

Die gute Nachricht: Deine Vorsätze sind bereits die Basis, um eine erfolgreiche Vision zu gestalten. Eine Vision ist ein Bild eines Zustandes, den du erreichen willst. Oder treffender: Wer du sein willst. Das versteht dein Gehirn. Wenn du also abnehmen willst, dann lohnt es sich, dieses Bedürfnis in ein Bild zu wandeln, wer du sein willst. Wie siehst du aus? Such dir beispielsweise ein Bild eines Körpers, der dein  Body in absehbarer Zeit sein soll und hänge dieses Bild auf. Fühle, wie du dich fühlst, sobald du diesen Körper hast. Wie geht es dir damit psychisch? Wie ist deine Körperhaltung? Wie gestaltest du deinen Alltag? Was wird anders, sogar besser in deinem Leben? Wie sprichst du? Was denkst du?

Die wichtigen Antworten im Leben

Um seine persönliche Vision zu finden, kommst du nicht drumherum, die grossen Fragen im Leben zu beantworten. Viele Menschen bezeugen, dass sich diese Auseinandersetzung gelohnt und sie enorm weitergebracht hat. Doch wo beginnen? Die richtigen Fragen können dich dabei unterstützen, deiner Vision auf die Spur zu kommen oder sie zu schärfen. Auch Rituale sind ein wertvoller Ansatz, sei es das Loslassen des „alten Ichs“ in einem Feuerritual oder die Suche nach Antworten in einer Medizinwanderung. Auch das unten verlinkte Kurzvideo ist eine wertvolle Inspiration. Oft ist es dennoch hilfreich, sich in diesem Prozess begleiten und spiegeln zu lassen. Gerne unterstütze ich dich mit stärkender Begleitung, einem geschützten Raum genauso wie mit gezielten Fragen.

Hast du deine Vision gefunden, so empfehle ich dir, diese zu visualisieren und im Alltag sichtbar zu machen, so dass du in der Hektik immer wieder erinnert wirst. Da dein Gehirn wie gesagt keine Sprache versteht, lohnt es sich bildlich zu arbeiten und kreativ zu werden.

In diesem Sinne wünsche ich dir ein erfolgreiches und erfüllendes Jahr 2022.

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Männer in Bewegung

Ein differenzierter und stärkender Beitrag in der Sonntagszeitung

Kurz vor Weihnachten und pünktlich zur Gründung von Männer Netzwerk Schweiz publizierte die Sonntagszeitung einen spannenden Artikel zur Männerwelt. Dabei kamen drei unterschiedliche Männer zu Wort, wie sie die Situation zwischen Mann und Frau und der Männer im besonderen in der aktuellen Gesellschaftslage wahrnehmen. Ich bin dankbar, dass ich als einer der drei Männer einen Beitrag zu dieser wichtigen Sache beisteuern durfte.

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Ein Mann braucht eine Vision

Eine Vision zu schaffen und ihr zu dienen, ist ein starkes männliches Prinzip. Dies benötigt Weitblick, Fokus, Ausdauer und Disziplin. Ein Mann mit einer Vision dient nicht nur sich selbst, sondern gleichzeitig den Menschen um sich herum.

Klarheit und Freiheit

Denn eine Vision schafft Klarheit und Orientierung: Getan wird, was dieser Vision dient. Eine Vision macht frei, denn sie macht einen Menschen unabhängig von der Anerkennung und der Meinung anderer. Es ist deshalb umso wichtiger, dass die Vision aus dem tiefen Innern stammt und weiter geht als kurzfristige Bedürfnisbefriedigung.

Individuell wie deine Vision

Zusammen begeben wir uns in den Prozess deiner Visionssuche ganz nach deinem Wunsch. Wir können den Prozess sehr schlank halten mit 4-5 kurzen Sessions über einige Wochen verteilt, oder aber wir begeben und in eine konzentrierte Suche in 1-2 Tagen. Ich unterstütze dich mit stärkender Begleitung, geschütztem Raum und den passenden Rahmenbedingungen genauso wie mit unangenehmen Fragen und Provokationen. Du willst nicht warten und bereits heute beginnen? Eine Medizinwanderung kann ein guter Anfang sein. Eine andere Möglichkeit sind die speziell zur Entdeckung seiner Vision zusammengestellten Essenzfragen. Auch das folgende Video kann bereits einen Prozess auslösen. Wenn du einen Sparingpartner möchtest, der dir hilft, deine Vision aus dir herauszudestillieren, dann begleite ich dich gerne. Viel Spass beim Entdecken!

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Der Verstand ist am Ende

Es ist November 2021. Nach eineinhalb Jahren Ausnahmezustand scheint eines klar: Wir sind nicht in der Lage, die Realität genügend zu erfassen geschweige denn brauchbare Zukunftsprognosen oder gar Lösungen zu liefern. Verzweifelt versuchen wir, Herr der Lage zu werden, mit Massnahmen, welche jeden einigermassen wachen Beobachter mit einem weinenden und einem lachenden Auge zurücklassen. Massnahme A funktioniert nicht? Dann braucht es mehr von Massnahme A! Krampfhaft soll die Kontrolle wiedergewonnen werden, welche wir mal zu haben dachten.

Eine lineare Maschine

Evolutionär oder unternehmerisch betrachtet scheinen die nächsten Schritte auf der Hand zu liegen: Wenn die bisherigen Ansätze nicht funktionieren, so braucht es andere. Funktionieren diese immer noch nicht, so gilt es die dahinterliegenden Prämissen, also das Paradigma in Frage zu stellen. Ein herrschendes Paradigma, welches längst falsifiziert ist und sich dennoch zäh in unserer Gesellschaft hält, ist das mechanisch-lineare Weltbild. Egal ob in der Medizin, in der Wissenschaft oder bei politischen Entscheidungen – man geht davon aus, eine Art Maschine vor sich zu haben mit linearen Ursache-und-Wirkungs-Prinzipien. Die Vorstellung ist, es gäbe einen statischen Bauplan. Und wenn man diesen verstanden hat, dann kann man mit den richtigen Massnahmen die Maschine so beeinflussen, wie man es sich wünscht. Wir glauben, wir stehen vor einem komplizierten Problem. Viele Einflussfaktoren mit allerlei Abhängigkeiten. So wie ein Flugzeug mit zehntausenden von Teilen, welche alle einen definierten Ort haben.

Ein Teller Spaghetti

Die Realität, die sich uns zeigt, ähnelt jedoch einem Teller Spaghetti weitaus mehr als einem Flugzeug. Es handelt sich um ein komplexes Problem. Die Abhängigkeiten sind so vielfältig und die Dynamik des Gesamtsystems so ausgeprägt, dass wir unmöglich voraussagen können, was passiert, wenn wir an einer Spaghetti ziehen. Die gegenwärtige Situation führt uns vor Augen, dass wir einen Teller Spaghetti mit einer Werkzeugkiste für Flugzeuge in Ordnung bringen wollen. So betrachtet ist dies offensichtlich verwunderlich. Noch verwunderlicher ist es, als dass die Vorstellung einer mechanisch-linearen Realität seit bald 100 Jahren überholt ist. Einstein und die Erkenntnisse der Quantenphysik haben uns längst gezeigt, dass wir es mit einem Netzwerk aus Abhängigkeiten und Wahrscheinlichkeiten zu tun haben, das sich selbst permanent verändert und weder den Gesetzen von Raum noch Zeit unterliegt. Bereits bei dieser Vorstellung ist so mancher Verstand überfordert und darin liegt die letzte Konsequenz: Weder unser Verstand noch der leistungsfähigste Computer können die Realität abbilden oder vorhersagen, was passieren wird.

Sprache ist ein Gefängnis

Der Verstand ist aber nicht nur unfähig, die Zukunft vorherzusagen, sondern genauso ungeeignet, die gegenwärtigen Probleme zu lösen. Einstein erkannte bereits: «Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind». Innerhalb der bestehenden Denkmuster kann nämlich per Definition nichts Neues entstehen, einzig das Bestehende kann neu kombiniert werden. Es ist wie eine mathematische Gleichung: Ich kann die Unbekannte «x» nur mit Hilfe bereits bekannter Grössen errechnen. Steht «x» für ein neues Paradigma ausserhalb des Bekannten, so lande ich bestenfalls bei x=±∞ (plus minus unendlich – also alles). Mathematisch schön, als Lösung unbrauchbar und eine wunderbare Beweisführung dahingehend, dass das Denken erkennt, dass es aufgrund seiner Muster das Problem nicht lösen kann. Und was definiert unsere Denkmuster? Unsere Sprache. Sprache unterteilt die Welt in Einzelteile und Kategorien. Sie ist ein messerscharfes Instrument – ein Skalpell. Niemand würde mit einem Skalpell versuchen, etwas Neues zusammenzusetzen. Dafür eignen sich andere Werkzeuge.

Intuition als Werkzeug

Die Neurobiologie unterscheidet klar zwischen jenem Teil des Gehirns, welcher Sprache benutzt und versteht, und jenem weitaus grösseren Teil, der diese nicht versteht. Man spricht von Bewusstsein und Un(ter)bewusstsein oder auch Verstand und Intuition. Hierbei geht man davon aus, dass höchstens 20% Verstand und mindestens 80% Intuition sind. Versuche ich Probleme ausschliesslich über den Verstand und Sprache zu lösen, nutze ich somit nicht nur ein ungeeignetes Werkzeug, sondern schliesse auch 80% meines (Gehirn-)Potenzials aus. Sämtliche Kreativitätsmethoden versuchen genau diesen Raum zur Intuition zu erschliessen und Menschen in einen Zustand zu bringen, wo sie empfänglich für Bilder aus dem Unbewussten werden. Weil wir es eigentlich längst wissen, dass wir mit dem Verstand nicht weiterkommen, sind Begriffe wie die Intuition, Achtsamkeit und Resilienz mittlerweile in der breiten Gesellschaft und auch in der Arbeitswelt angekommen.

Haben wir den Verstand verloren?

Wir sind in den Kinderschuhen, die Welt der Intuition zu entdecken. Zur Zeit versuchen wir noch etwas hilflos, das unheimliche und unkontrollierbare Unterbewusste mit dem Verstand zu erfassen und in unsere gewohnte Welt zu integrieren. Wir versuchen Brücken zu bauen. Das Resultat davon sind beispielsweise Modelle wie VUCA oder BANI. Wichtige Brücken sind auch die Quantenphysik und die Neurobiologie. Auch dieser Text ist der Versuch einer solchen Brücke. Diese Brücken sind dienlich für erste Erkundungen. Und doch sind sie am Ende nicht zielführend. Denn eine Brücke, welche mit dem Verstand gebaut wird, kann am Ufer der Intuition gar nicht ankommen. Es bleibt uns nur der mutige Sprung ins Unbekannte. Es bleibt uns nur, die gewohnte Welt der Sprache und des Verstandes zu verlassen. Was heisst das? Kannst du dir vorstellen, Entscheidungen ohne Denken zu treffen und diese bedingungslos umzusetzen? Hast du den Verstand verloren? Hoffentlich! Und wie verlieren wir den Verstand als Individuum, als Gruppe, als Unternehmen? Glücklicherweise gibt es Wege, die Verstand zu verlieren und die Tore zum Unbewussten zu öffnen. Die Entscheidung dazu ist der erste wichtige Schritt.

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Was heisst Vater sein?

Ich hätte mir gewünscht, dass während der ersten Schwangerschaft ein Mann bestimmt an mich herantritt und in etwa sagt: „Deine Frau wird in den nächsten Monaten und vor allem während der Geburt die Urkraft der Natur erleben und dadurch einen grossen Entwicklungsschritt machen. Du hast dieses Erlebnis nicht in dieser Intensität, deshalb wird es Zeit für dich, an die Arbeit zu gehen.“ Ich weiss nicht, ob ich auf ihn gehört hätte, und doch hätte ich eine Chance gehabt.

Erwachsen werden

Denn sobald Kinder da sind, fliegt das Leben an dir vorbei. Die ersten Jahre sind eine Lektion in Demut und Bescheidenheit. Vater werden heisst erwachsen werden. Deine Aufgabe ist es nun, einen schützenden Raum um Frau und Kind zu schaffen, der Familie zu dienen. Im Zentrum stehen die Kinder und das verletzte innere Kind des Mannes hat dort keinen Platz mehr. Dieses muss er nun selbst pflegen und heilen. Und die Intensität eines Familienlebens machen diese Verletzungen sichtbar, welche vorher ignoriert werden konnten. Stellt er sich dieser Aufgabe nicht, kommt dann oft die Überraschung, wenn die Frau sich von ihm trennt oder die Kinder älter sind und die Partner keine gemeinsame Basis mehr haben.

Freier, klarer und standfester

Jeder Moment ist der richtige, um mit der Arbeit an sich selbst zu beginnen. Dies ist keine Garantie dafür, dass die Partnerschaft hält oder neu belebt werden kann. Aber auf jeden Fall wirst du freier, klarer und standfester. Und langfristig glücklicher. Und das ist das Beste, was du für deine Kinder tun kannst.

Beginne jetzt

Du bist bereit oder bereits dran? Hier findest du Werkzeuge, welche sich bewährt haben und welche du sofort nutzen kannst.

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Programmiere dein Gehirn

Zu Beginn war es ein Gedanke: Wenn ich auf mein Leben zurückschaue, so waren es meistens intensive Erfahrungen, welche etwas in mir verändert haben. Seien es Traumata, oder aber auch Heilungserfahrungen. Aus der Hirnforschung weiss ich ausserdem, dass was gemeinsam feuert, sich auch verbindet („What fires together wires together“). Lernen funktioniert dann am besten, wenn möglichst viele Sinne dabei aktiviert werden und es als ganzheitliche Erfahrung erlebt wird.

Die Idee

Folglich kam mir die Idee, dass in Extremsituationen die Möglichkeit zu Veränderungen theoretisch viel höher sein sollte als in der Komfortzone. Ich ging ausserdem davon aus, dass ich positive statt negative Emotionen nutzen sollte, um eine Veränderung in meinem Sinne zu bewirken. Ich hatte zu dieser Zeit eine Reihe von Glaubenssätzen erkannt, welche mein Leben dominierten. Beispielsweise: „Nur wenn ich mich selbst klein mache, erhalte ich Liebe.“ Teilweise mit Hilfe, teilweise alleine, hatte ich diese Glaubenssätze in positive Affirmationen umformuliert. Ich hatte den Versuch gemacht, eine Affirmation während 4 Tagen 10’000 mal zu wiederholen, um mein Gehirn umzuprogrammieren. Aber erstens entpuppte sich diese Übung als nicht nachhaltig und zweitens schien es mir zu anstrengend. Es musste einen einfacheren Weg geben.

Das Experiment

Also kombinierte ich meine tägliche Wim Hof Atemübung mit den Affirmationen. Dafür nahm ich meine Affirmationen auf und spielte sie während den Atemübungen ab. In den extremsten Phasen, sprich während des Luftanhaltens, konzentrierte ich mich auf diese und sprach innerlich mit. Versuchte dabei das Gefühl, welches diese heilenden Affirmationen mit sich bringen, in diesem Moment in meinem Körper zu schaffen. Nach einiger Zeit ergänzte ich die Übung mit binauralen Beats im Theta-Bereich, um die Frequenz meines Hirns in einen möglichst unterbewussten Zustand zu führen.

Fazit

Nach nur wenigen Tagen bemerkte ich solch einen Unterschied, dass ich diese Übung schliesslich über mehrere Monate ausführte und sie zu guter Letzt in leicht abgewandelter Form zum meiner Tagesroutine wurde. Ich führte diesen Prozess in manchen Zeiten täglich, immer aber drei bis viermal die Woche durch. Denn ich konnte einen unmittelbaren Effekt auf mein Leben wahrnehmen, der sich als nachhaltig herausstellte. Einerseits gab es mehr und mehr Situationen, in welchen ich mich intuitiv anders verhielt, als ich es bisher gewohnt war. Wenn auch vielleicht nicht ganz so, wie ich mir das in Gedanken ausgemalt hatte, doch schon mehr gemäss dem heilenden Glaubenssatz, welchen ich mir ständig vorgespielt hatte. Was für mich aber genauso eindrücklich war, waren jene Momente, als plötzlich dieser eine Glaubenssatz in mir erschien, den ich genau jetzt brauchte, um alte Muster zu erkennen. Und er ermöglichte mir die Freiheit, mich aus meinem Willen heraus anders zu verhalten als in der Vergangenheit. Ich bin somit rückblickend sehr dankbar, diesen Ansatz gefunden zu haben und kann ihn sehr empfehlen.

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Der Ego-Tod

Der sogenannte Ego-Tod begegnet mir als Begriff immer wieder, vor allem auch in Bezug auf den Mann gegenüber der Frau. Ein Synonym ist die Ich-Auflösung. In der buddhistischen Lehre ist der Ego-Tod gleichbedeutend mit dem Eintritt ins Nirvana. Dies scheint mir kurz- und mittelfristig ein ambitioniertes Ziel und ich frage mich, was ich heute davon lernen und als Inspiration mitnehmen kann?

Wikipedia definiert den Ego-Tod als „völliger Verlust der subjektiven Identität.“ Ich frage mich hierbei, ob es erstrebenswert ist, das Ego zu „verlieren“ und gehe davon aus, dass dies in den nächsten Tagen nicht passieren wird. Und ich schliesse daraus, dass es auch eine objektive Identität geben muss. Der spirituelle Lehrer Sadhguru sagt, die Basis von allem sei die Identifikation mit dem Kosmos. Auch die moderne Wissenschaft, insbesondere die Quantenphysik, legt eine solche Möglichkeit nahe. Und sie deckt sich mit meinen eigenen Erfahrungen.

Was gehört denn nun alles zum Ego? Eckhart Tolle erscheint mir hier hilfreich: „Die häufigsten Ich-Identifikationen haben mit Besitz zu tun. Die Arbeit, die du verrichtest, sozialer Status und Anerkennung, Wissen und Bildung, körperliche Erscheinung, besondere Fähigkeiten, Beziehungen, Personen- und Familiengeschichte. Auch Glaubenssysteme, und oft nationalistische, rassische, religiöse und andere kollektive Identifikationen. Nichts davon bist du.“

Der Begriff Identifikation ermächtigt mich zur Handlung: Darauf, womit ich mich identifiziere, habe ich Einfluss. Auch wenn ich mein Ego noch nicht „verloren“ habe, muss ich es nicht bedienen. Aber erst, wenn ich mein Ego als solches erkenne, bin ich entscheidungsfähig. So wirkt bereits das Ego, wenn ich ein guter Partner oder Ehemann sein möchte und aus dieser Erwartung heraus handle. Denn sobald ich etwas mit der Absicht tue, eine Ego-Identifikation und Erwartungen zu erfüllen, bin ich Opfer des Egos. Die Auflösung wirkt paradox: Erst die konsequente Bekenntnis zu meinem Ego, auch entgegen der Erwartungen anderer (inkl. einer Partnerin) ist die Voraussetzung für die Befreiung aus diesem. Erst wenn ich mein Ego annehme, habe ich die Macht, mich nicht damit zu identifizieren.

Und dann wandelt es sich. Tolle sagt dazu: „In dem Moment, in dem du dir deines Egos bewusst wirst, ist es streng genommen nicht mehr das Ego, sondern nur noch ein altes, konditioniertes Gedankenmuster. Ego impliziert Unwissenheit. Bewusstsein und Ego können nicht koexistieren.“ Dieser Prozess erfordert eine radikale Ehrlichkeit gegenüber mir selbst und gegenüber anderen – ohne Rücksicht auf Konsequenzen. Damit einhergehend muss ich die volle Verantwortung für all meine Gefühle übernehmen und anderen Menschen die Verantwortung für ihre Gefühle zumuten können.

So erstrebenswert dies ist, so schwierig gestaltet es sich manchmal in der Praxis. Aber statt dem Ego zu dienen oder es zu bekämpfen, kann ich etwas darüber stellen, was mir wichtiger ist. Eine Aufgabe, welche höher steht als meine Ego-Befriedigung. Eine Mission. Mein Herz. Um die Wünsche meines Herzens zu erkennen, muss ich meine Wünsche transzendieren. Ich muss sie in einen grösseren Zusammenhang stellen. Ich muss mich mit dem Kosmos identifizieren. Dann kann ich auch mein Ego aus einer gesunden Distanz neutral betrachten. Der beste Weg dazu ist für mich die Meditation.

Aus diesem Zustand heraus erlange ich mit der Unabhängigkeit von meinem Ego auch die Unabhängigkeit von anderen Menschen. Ich löse mich vom Urteil anderer, auch von meiner Partnerin. Gleichzeitig wird mir klar, dass es anmassend ist, denken zu wissen, was für den anderen gut ist. Es ist anmassend zu erwarten, dass meine Partnerin auf eigene Wünsche verzichtet für mein (Ego-)Wohl. Im Gegenteil: Ich lasse sie nicht nur völlig frei, sondern ich ermutige sie, ihren Wünschen nachzugehen. Auch wenn diese Wünsche mein Ego verletzen. Wenn ich mit dem Kosmos, der objektiven Identität identifiziert bin und meine Lebensaufgabe den heiligsten Platz einnimmt, dann ist Liebe nichts, wofür ich einen Beweis brauche, sondern etwas, was ich bedingungslos schenke. Und bedingungslos als Geschenk erhalte.

Dieser Zustand ist wunderschön. So wunderschön, dass die Gefahr gross ist, dass sich mein Ego damit identifiziert. Und so findet der Ego-Tod nicht einmalig statt und ist dann abgeschlossen, sondern es sind viele kleine Tode, welche wir auf unserem Weg sterben. So wie wir uns immer wieder Wesensanteile bewusst werden, welche nicht zu unserem wahren Selbst gehören. Der Ego-Tod ist keine Errungenschaft, er ist eine Lebenshaltung.

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Die heilende Beziehung

Text von David Rotter

Eine Beziehung von zwei bewussten Menschen, denen all Projektionen und andere Wahrnehmungsstörungen klar sind, birgt ein immenses Potenzial zur Heilung. Aber sie verlangt mehr von uns, als es auf den ersten Blick scheint.

Die grundsätzliche Illusion der Sicherheit, einer der Hauptgründe, warum wir Beziehungen überhaupt so sehr brauchen, hat keinen Platz in einer heilenden Beziehung. Loyalität, Freundschaft, Verlässlichkeit – all dies ja, aber keine Illusionen mehr, mit all ihren Besitzansprüchen, den Kontrollbedürfnissen und der gegenseitigen Sabotage. Heilung kann nur geschehen in einem Raum von Freiheit, in dem jeder authentisch sein darf, wer er oder sie ist. So selbstverständlich das in der Theorie klingen mag, so schwierig ist es oft zu leben. Und bei Freiheit geht es hier nicht um freie Liebe und wahllosen Sex, sondern darum, den anderen in keiner Weise kontrollieren zu wollen, ihm den Raum zur Entfaltung zu geben, ihn blühen zu lassen. Darum, jede Sekunde die Entscheidung füreinander neu zu treffen.

Eine heilende Beziehung verlangt von beiden Partnern vollständige Bewusstheit über Projektionen und ein ständiges Hinterfragen. Sie beinhaltet die Verabredung, immer zuerst bei sich selbst zu schauen – vor allem dann, wenn es am meisten weh tut. Sie verlangt von beiden, dass der andere gehalten werden kann, wenn er in Projektionen versinkt – eine Aufgabe die große Integrität und Sensibilität erfordert, denn oft sind die Projektionen mir sehr viel Emotion aufgeladen. Beide Partner müssen den jeweils anderen vollständig als Therapeut und Lehrer anerkennen, müssen es lernen zuzugeben, wenn sie projizieren und bereit sein, Hilfe von ausgerechnet der Person anzunehmen auf die sie eigentlich projizieren. Totaler Respekt, tiefes Mitgefühl und bedingungsloses Vertrauen sind dafür Voraussetzung. Machtspielchen haben hier keinen Platz, Schwäche und Stärke, Rechthaben und Schuld sind Konzepte, die in einer solchen Beziehung ihre Bedeutung mehr und mehr verlieren.

Die heilende Beziehung erfordert von uns die Kraft und den Mut, hunderte, vielleicht tausende Male über unseren Schatten zu springen. Den Raum und das Herz immer und immer wieder zu öffnen, selbst wenn in uns starke Emotionen wirken und alles in uns nur weglaufen und sich verschließen möchte. Wir lernen, Schwäche und Irrtum zuzugeben, uns mit dem Schmerz zu zeigen, hierzubleiben, alles hineinzulegen in das Feld des Vertrauens, dass wir mit dem Partner kreieren. Und wir lernen auch uns nicht mehr selbst zu beschränken, unsere Stärke bedingungslos zu leben, unsere Wahrheit zu sprechen. Wenn das gelingt, geschehen Wunder!